wobiwilli

Anfang September 2012
Reichlich müde falle ich abends gegen 00.35 in das mit Seersucker frisch bezogene Bett. Warum kommen die besten Filme eigentlich immer so spät? Aah, das tut gut. Erst mal die Beine richtig lang machen. Umständlich rücke ich mir mein Kissen so zurecht, dass ich mich darin richtig einkuscheln kann. Meine Angetraute schläft schon den Schlaf des Gerechten. Der Film war Ihr einfach zu lang. Nachdem ich endlich die richtige Schlafposition erreicht habe und langsam am Eindösen bin, höre ich es wieder. Das Pfeifen und rasseln in den Bronchien.

Wann hört das endlich auf. Ein lautstarkes Abhusten bringt wenigstens soweit Besserung, dass ich fast in das Reich der Träume hinübergleite. Allerdings habe ich damit meine Frau geweckt, die nur etwas unverständliches murmelt. „Ja, ja, der Husten, kommt wohl doch von den Zigaretten“, entgegne ich noch mehr schlafend als wachend.

Bing, bing, bing, der Wecker reißt mich unsanft aus dem Schlaf. Schwerfällig wälze ich mich aus dem Bett und wanke mehr schlafend als wach ins Bad. Gerade habe ich einen Klecks Zahnpasta auf meine elektrische Zahnbürste gemacht, da spüre ich auch schon den mir nur zu gut bekannten Druck auf den Bronchien und muss erst mal wieder kräftig abhusten. An diesem Tag fasse ich den Entschluss: „Damit muss Schluss sein“. Habe ich nicht neulich erst in meinem Technikkatalog so eine elektrische Zigarette gesehen?“ Angeblich sollen die ja gesünder sein.

Obwohl ich skeptisch war und eigentlich auch keine Zeit mehr hatte, konnte ich es nicht lassen, mein Frühstück noch zu verschieben und gleich mal nachzusehen. Wo war denn der verdammte Katalog? Nach dem Wegschieben einiger Unterlagen lachte mich eine hübsche Blonde im Topless an. Ach, da ist er ja. Hastig blätterte ich in den Seiten. Seite 78. E-Zigarette de luxe im 2er Pack für nur 49,90. Dazu ein Fläschchen Liquid (Tabak original) für nur 5,95. Ich ließ den Katalog aufgeschlagen liegen und beschloss,, mir nach der Arbeit so ein Set zu bestellen.

Halt, noch schnell die Zigaretten. Ein Blick in das silberne Etui beruhigt mich, dass die 14 Selbstgedrehten bis zum Feierabend reichen werden. Feuerzeug! Ist in der Tasche. Ein schneller Blick aus dem Fenster lässt mich den Gedanken an einen Regenschirm schnell vergessen. Ein herrlich warmer und sonniger Septembertag erwartet mich. Nun aber los!

Am Arbeitsplatz muss ich zwischen Rechnungen und Auswertungen immer wieder an die E-Zigarette denken. Muss doch noch mal gleich ins Internet schauen.

Da steht es: „Revolutionär! Keine Verbrennung, kein Teer, keine Asche und auch keine gelben Finger oder Zähne.“ und „ohne Teer und giftige Verbrennungsstoffe.“

Das Teil MUSS einfach her.

15 Uhr 30. Wie immer steht das Mittagessen schon auf dem Tisch. Ach was hab ich doch für eine liebe, sorgende Frau. „Warum schlingst du denn so?“ fragt sie zwischendurch. „Gleich, gleich, ich zeige dir was.“ Nachdem ich die letzte Kartoffel in den Mund gestopft habe, stapfe ich zum Schreibtisch und halte ihr den Katalog unter die Nase. „Elektrische Zigarette? Na, ich weiß nicht“, wendet sie ein. „Doch, so ein Ding wird jetzt bestellt.“ entgegne ich, im Brustton der Überzeugung. „Und hier, die Dinger kannst du sogar nachfüllen.“ „Wenn du meinst“, kommt es nach wie vor skeptisch. „Können wir ja mal probieren.“ Ich stelle noch schnell den Teller in die Spülmaschine und sprinte zum Laptop.

Keine 10 Minuten später habe ich den Bestellbutton gedrückt. Zahlung per Bankeinzug. Nochmal zwei Euro gespart. Und dann folgen 5 Tage voller spannender Erwartung.

12. September 2012
Endlich! Das Paket ist da. Hastig reiße ich den Karton auf und halte eine schwarze Geschenkbox mit bunter Aufschrift in den Händen. „Duvence e-Zigarette de luxe“. Ein kleines Fläschchen kullert derweil auf die Erde.

Na ja, sieht ja eher aus wie eine zu klein geratene Zigarre oder ein etwas groß geratener Zigarillo.
Die Bedienungsanleitung gibt Aufschluss darüber, was noch zu tun ist, bevor ich los rauchen kann.

Ich hebe die runter gefallene Flasche auf, öffne sie und schnuppere daran. Tabak? Riecht nach irgendwas, nur nicht nach Tabak. Aber man wird sehen. Wie vorgeschrieben fülle ich Liquid in den Tank und warte ein paar Minuten. Jetzt geht es los. Oops! Fehlanzeige. Beim Drücken des Knopfes tut sich nichts. Wie war das noch? 5 Klick Abschaltung! Ich drücke also 5 mal hintereinander schnell auf den blauen Knopf. So, jetzt noch mal drücken und ziehen. Tralala! Dampft fast wie meine Glimmstängel. Der Geschmack könnte besser sein. Aber was solls, vielleicht komme ich damit von den Kippen los.

Und tatsächlich, ich habe danach keine Zigarette mehr angerührt. Halt, stimmt nicht ganz. Nach drei Tagen hat es sehr kokelig und ungenießbar geschmeckt. Zum Glück hatten wir einen Offline Shop im Ort. „Hier, das ist das neueste, was es derzeit am Markt gibt. Ein CE4“. Brav bezahle ich die 9,50 Euro und nehme auch gleich noch ein „besseres“ Liquid mit.

Wirklich, der neue Verdampfer war erheblich besser. Und so praktisch. Oben aufschrauben, schräg halten und das Liquid reintröpfeln. Ich war begeistert.

Nach knapp 14 Tagen war das Röcheln und Pfeifen in den Bronchien total verschwunden. Und so bin ich bis heute „dabei“ geblieben.

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Das ist jetzt drei Jahre her. Seit zwei Jahren bin ich bei keinem Arzt mehr gewesen. Wozu auch? Mir geht es gut.

Nach und nach habe ich noch verschiedene andere Verdampfer und Akkuträger ausprobiert. Inzwischen habe ich aber meine Ce’s so weit optimiert, dass ich nichts anderes mehr brauche. Auch mit meinen Pipe Mods bin ich inzwischen vollauf zufrieden.

Heute lese ich viel Unsinn in den Medien über die „Gefährlichkeit“ der E-Zigarette. Die spinnen doch. Drei ganze Jahre ohne jegliche Nebenwirkungen und nur mit positiver Erfahrung belehren mich heute eines Besseren. Schade nur, dass durch das Gekritzel eventuell umsteigewillige Raucher so ihre Zweifel bekommen.

Meine Frau hat es leider nicht geschafft und qualmt weiterhin ihre R1. Gibt aber immerhin eine schöne Statistik:

50% der umsteigewilligen Raucher bleiben bei der E-Zigarette.

ENDE