Norbert Zillatron

Ich wollte nichts „entwöhnen“. Ich wollte nicht mal mit dem Rauchen aufhören. Einzige die Neugier ließ mich das Dampfen probieren. Und zu meiner Überraschung fand ich hier etwas, das nicht nur annähernd die gewünschte Wirkung hat, sondern sogar viel besser schmecken kann. Das war Anfang 2012. Seit dem bin ich Dampfer.

Und das kam so: In meinen über dreißig Jahren Zigarettenkonsum hatte ich nur einmal ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, mit Rauchen aufzuhören. Anlässlich einer Nebenhöhlenoperation vor vielen Jahren durfte ich danach natürlich nicht rauchen. Dann könnte ich ja gleich mal versuchen, ganz aufzuhören. Dachte ich, und entschied mich für Nikotinpflaster. Das war von Anfang an ein sehr unbefriedigender Ersatz. Der ganz unangenehm wurde, als sich ein fies juckender Ausschlag an den Klebestellen bildete. Ich war richtig froh und erleichtert, als ich mir nach 3 Wochen wieder eine anstecken durfte. Damit war für mich das Thema „Entwöhnung“ abgeschlossen. Später habe ich dann aus Neugier noch ein Nikotinkaugummi und einen Zug von einem „Inhaler“ probiert. Jeweils nur einen: Widerlich!

Als ich das erste Mal von „E-Zigaretten“ hörte, wurden sie immer im Zusammenhang mit „Rauchstoppmitteln“ erwähnt. Also für mich total uninteressant. Und die Information landete in der Schublade: „Entwöhnungsgimmick, vermutlich genauso ekelhaft wie alle anderen.“

Erst als 2011 die Frau Steffens in NRW mit ihrer Hexenjagd für Medienrummel sorgte, wurde ich hellhörig. Denn sie bekam heftige Unterstützung in den Medien von sogenannten „Experten“. Da wurden immer absurdere, konjunktiv überfrachtete Behauptungen und „Bedenken“ in den Raum gestellt. Offensichtlicher Blödsinn. Was dabei meine Neugier weckte war die Frage: „Warum polemisieren Entwöhnungsprediger plötzlich gegen ein Rauchstoppprodukt. Das nutzlose, widerliche Zeug preisen die doch sonst an wie sauer Bier?“

Erst wartete ich gespannt auf harte Fakten von richtigen Wissenschaftlern. Vergeblich. Also griff ich zum Internet und begab mich auf die Suche. Ich fand Foren, in denen sich enthusiastische Berichte die Klinke in die Hand gaben. Und natürlich eine Flut von Details, die wie Fachchinesisch klangen. Auch wenn mir vieles schleierhaft blieb, konnte ich doch herauslesen, dass die „Dinger, die aussehen wie Zigaretten“ eher ziemlich unbrauchbar sind. Dass der Spaß erst richtig losgeht, wenn man ein modernes Tanksystem (damals eGo-T, leo und ähnliche) mit unterschiedlichen Liquids hat.

Nun, ich bin grundsätzlich skeptisch. Also habe ich mir erstmal so ein zigarettenähnliches Einwegteil gekauft. Als „Proof of Concept“. Es war besser als ich erwartet hatte, aber definitiv kein vollwertiger Ersatz. Aber gut genug, das Geld in ein richtiges Starterset zu investieren. Ich hatte noch einige Vorräte an Zigaretten und habe es langsam angehen lassen. Die Vorräte haben viel länger gehalten als erwartet, da ich immer mehr dampfte und immer weniger rauchte. Als die Vorräte weg waren stand mein Entschluss fest: Nur noch Dampfen. Es schmeckt einfach viel besser.

Ein sehr angenehmer Nebeneffekt war, dass nach wenigen Wochen mein Raucherhusten komplett verschwunden war. Die morgendliche Ladung Schleimbollen, von denen auch tagsüber gelegentlich einer das Licht der Umwelt erblickte, ist Vergangenheit. Wie lästig das ist, merkt man erst so richtig, wenn man’s nicht mehr hat.

In der Zwischenzeit war ich schon zweimal bei der Tabakkontrollkonferenz in Heidelberg. In der Höhle des Orakels ist das Dampfen natürlich unerwünscht. Zu meiner großen Verwunderung konnte ich auch vier Stunden Vorträge ohne Dampfen aushalten. Zu meinen Raucherzeiten wäre ich spätesten nach einer Stunde geflüchtet oder die Wände hochgegangen. Jetzt war ich nur etwas gereizt, was aber mehr an den präsentierten „Inhalten“ lag. Danach habe ich mir noch die Zeit genommen, mich mit anderen Teilnehmern zu unterhalten, bevor ich mir die Dampfe zur Entspannung gönnte. Klar, es war ein Verlangen da. Aber mehr wie nach einer guten Tasse Tee. Ganz anders als die Gier nach einer Zigarette. Und das, obwohl ich mir – im Gegensatz zu den meisten Dampfern – auch in meinen heutigen Geräten noch die „volle Dröhnung“ Nikotin gebe (18 mg/ml). Ich mag halt die Wirkung. Aber es ist jetzt ein Genuss wie bei Koffein. Nicht mehr eine Sucht wie bei Zigaretten.

Meine Story habe ich schon auf Englisch in meinem Blog [ https://nzillatron.wordpress.com/my-story/ ] und bei CASAA gepostet.

Bei der Auslöserin meiner Neugier habe ich mich auch schon bedankt und ihr u. a. meine Geschichte erzählt. [ https://www.facebook.com/notes/norbert-zillatron/betreff-cop6-an-mpoetschke-langerdkfzde/1507605042814763 ] Eine Antwort kam – wie erwartet – nicht.