Mungo Park

Mein Werdegang zum Dampfer
Wie kommt man eigentlich dazu? Bei mir war es folgendermaßen.
An einem 20ten Januar saß ich Abends im Raucherbereich meines Hauses, in der Hand eine Zigarette und auf dem Tisch ein e-Zigaretten Set. Ich hatte mir das Set am Vortag von einem Freund ausgeliehen. Inzwischen war er im Besitz eines weiteren Sets, deshalb konnte ich dieses mal ausprobieren.
Und um nichts anderes ging es mir an diesem Abend, mich trieb reine Neugier. Zum ersten mal, hab ich ihn im letzt Sommer mit dem Ding gesehen. Absolut albern, ein entfernt kippenähnliches Ding das nicht wirklich brannte, dafür aber Glut mittels Leuchtdiode nachahmte. In blau. Genau dieses Konstrukt lag jetzt vor mir, in doppelter Ausführung nebst einiger Proben Liquid, wie man die zu verdampfende Flüssigkeit nennt. Da lag es in seiner Schachtel, und hatte nicht den Hauch einer Chance von mir ernsthaft als Alternative für meinem geliebten Tabak in Betracht gezogen zu werden.

Denn hier saß kein Umstiegswilliger, erst recht kein Verzweifelter. Ich hatte bereits eine 30 jährige Raucherkarriere hinter mir und erfreute mich noch bester Gesundheit. Das Rauchen machte Spaß, sogar das Drehen meiner Kippen war mir in all den Jahren nicht lästig geworden, im Gegenteil. Das ganze war ein Ritual und ein fester Bestandteil meines Lebens, den ich nicht missen wollte – und genau genommen auch nicht konnte. Sicher, die beiden male, als meine Frau schwanger war, hab ich mit ihr aus Solidarität aufgehört, aber sobald möglich, haben wir beide wieder angefangen. In den letzten Jahren hatte ich meinen Konsum deutlich reduziert, von irgendwas über 20 auf unter 15 Zigaretten. Das war meine Hommage an das Thema Gesundheit und ich war ziemlich stolz darauf. Ok, es war nicht ganz freiwillig, hatte im wesentlichen mit totalem Rauchverbot am Arbeitsplatz zu tun. Dennoch war es meine Entscheidung das Rauchen zu reduzieren statt wie andere regelmäßig draußen auf dem Parkplatz eine durchzuziehen. Aber ganz aufhören? Nein, unmöglich! Jeden Tag freute ich mich mehr denn je auf den Feierabend. Dann endlich konnte ich mich für meine Enthaltsamkeit belohnen. Ich war und blieb Gewohnheitsraucher.

Zurück zu besagtem Abend. Es war reichlich Tabak und Blättchen im Haus, ich drückte meine Kippe aus und nahm das vorbereitete Gerät zur Hand. Zunächst kam nicht viel, aber nach einigen Zügen ging es besser und es machte sich so etwas wie Panik und Euphorie gleichzeitig in mir breit. Euphorie, weil hier eine wesentlich weniger schädliche Alternative das Jahrzehnte lange Rauchen ablösen könnte und Panik aus demselben Grund. Da war eine Chance, die ich nicht einfach über den Haufen werfen konnte. Doch andererseits würden sich Gewohnheiten ändern müssen, die seit Ewigkeiten mein Handeln bestimmten. Wie Recht ich damit hatte, sollte sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen, denn an diesem Abend war ich, gegen meinen Willen, zum Nichtraucher geworden. Das war vor knapp vier Jahren, und ich bin dabei geblieben. Meine Frau hat noch ein ¾ Jahr länger geraucht, bis sie sich entschließen konnte, dass Dampfen zu beginnen. Auch sie hat es schließlich geschafft.
Natürlich klappt nicht bei allen Rauchern der Umstieg so reibungsfrei. Oftmals nicht mal bei denen, die unter den Folgen des Rauchens leiden und sich den Ausstieg herbeisehnen. Das Problem ist neben dem Wegfall altbekannter Rituale vor allem, dass der Umgang erlernt werden muss. Die Anwendung von Zigaretten (zumindest der fertigen) begreift jeder sofort. Obwohl es spezielle Geräte für den Einstieg gibt, ist das hier ein bisschen anders.
Raucher sollten deshalb über den Umgang informiert werden. Beispielsweise könnten die Krankenkassen Einführungskurse für Umstiegswillige anbieten. In besonderen Fällen sollten Startersets von der Kasse finanziert werden. Leider ist heutzutage genau das Gegenteil der Fall.
Ich erspare mir an dieser Stelle die Erklärungen, wieso ich das Dampfen für eine wesentlich weniger schädliche Alternative gegenüber dem Rauchen halte. Informationen über die vielen Studien die das belegen, kann jeder Interessierte selbst recherchieren.