Makro

Wann ich angefangen habe zu rauchen, kann man so genau gar nicht sagen. Meine Eltern sind strikte Nichtraucher, ich hatte aber schon in früher Kindheit den Drang alles auszuprobieren, was meine Eltern mir verboten. Auch hatte ich schon vor meiner Einschulung einen Freund, dessen Eltern rauchten und der ein Feuerzeug oder Streichhölzer besorgen konnte. Kippen lagen auf der Straße, halbgeraucht. Das Feuer haben wir in einem Schuppen versteckt, jeder hat ein-zweimal gezogen nicht auf Lunge. Den Rauchgeruch haben meine Eltern bemerkt und darüber geschimpft – aber nicht mit mir sondern über die Eltern des Freundes. Das war das erste Ausprobieren. In er Grundschule wurde weiter ausprobiert, da schon mit ganzen Zigaretten, nachmittags im Wald mit einem anderen Freund. Der konnte Kippen schachtelweise besorgen, weil sein Papa Stangen zu Hause hatte. Eine Schachtel reichte uns mehrere Wochen, wir haben die versteckt, und dann und wann mal eine gemeinsam geraucht. In der Unterstufe war dann die Zigarette vor der Schule, in den Pausen und die nach der Schule schon Pflicht. Da hab ich dann gelernt auf Lunge zu rauchen. Ich war einer der coolen Jungs, einer von denen die verbotenes tun weil sie es können. Das Spiel mit dem sich-vor-den-Lehrern-verstecken hat mich etliche Jahre fasziniert. Irgendwann in der Zeit habens dann auch meine Eltern rausgefunden und akzeptiert, weil ich ja eh bald wieder damit aufhöre. Denkste. Ich wollte nicht aufhören. Und ich konnte nicht. Versucht habe ich es mehrfach, mit Kaugummies, mit Schlusspunkt und Willenskraft, auch mit dem Buch, geschafft nie. Ratschläge von Ärzten haben nicht geholfen und hypnotisierbar bin ich auch nicht. Mal Erfolg gehabt mit dem sein-lassen? Nein, nicht einen Tag lang. Auch nicht mit dem reduzieren. Ging nicht. Die längste rauchfreie Zeit seit der Unterstufe war während internationaler Flüge. Und da habe ich mit Nikotinkaugummies substituiert. Das Aufgeben habe ich dann aufgegeben. Insgesamt habe ich fast 30 Jahre lang geraucht und bin dazu gestanden. Viele meiner Freunde haben mich als den ‚letzten eisernen Raucher‘ bezeichnet. Ich war echert Gelegenheitsraucher: Bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die letzten, mindestens 10 Jahre habe ich gedreht. Ein Päckchen mit 50 Gramm hat keine vollen 2 Tage gereicht. Das Rauchverbot in Kneipen habe ich umgangen wenn irgend möglich. Auf Konzerten war ich der erste der eine brennen hatte. Die Securety habens gecheckt? Ich tauche unter. Wie früher das Spiel mit den Lehrern. Auf dem Bahnsteig ist Rauchverbot? Nicht für mich… Nicht das ich übermäßig rücksichtslos gewesen wäre, ich habe schon drauf geschaut nicht direkt in Kinderwägen zu pusten aber ich habe mir eben auch nichts verbieten lassen und wo immer möglich geraucht. Oft habe ich Diskussionen übers Rauchen geführt und meine feste Meinung: „Rauchen hält fit und macht gesund!“ propagiert (immerhin haben wir viel frische Luft und ich steige wegen der Raucherpausen Treppen).

Worauf ich nicht verzichten will und werde: Meine Raucherpausen an der frischen Luft. Weder tagsüber im Büro noch beim Fortgehen und Feiern. Rauchen hat nicht zu unterschätzende soziale Aspekte. Lange Worte kurzer Sinn: Ich bin nicht der Typ der mit dem Rauchen aufhört. Mir war klar, dass ich, wenn ich so weitermache daran sterben werde. Meine Fitness hat deutlich darunter gelitten, nie waren die Muskeln der hemmende Faktor, seit Jahren die Lunge. Immer Raucherhusten, der Arzt hat eine chronische Bronchitis diagnostiziert. Egal, zum Rauchen gibt es keine Alternative und wenn es mich letztendlich mein Leben kostet.

Auch das Dampfen hatte ich mal ausprobiert vor einigen Jahren, mit einer eGo redKiwi eSmoker. Hat mich nicht überzeugt obwohl ich ca. 50€ für das Gerät ausgegeben habe. Zu wenig Dampf, nicht das gleiche Gefühl beim Rauchen, Akku nach ein-zwei Stunden leer, Siffeltank, noe, ist halt nicht rauchen. Ich war überzeugt: Dampfen ist nichts für mich.

Die Wende kam wie folgt: Meine Frau hat gelegentlich geraucht, nie viel und immer wieder lange Phasen nicht. Ich habe natürlich auch zu Hause geraucht, seit dem Tag an dem ich von meinen Eltern ausgezogen bin und das gerne und viel. Meine Frau hat mich so kennengelernt und hats akzeptiert. Aber eine Bedingung gab es: Wenn Sie schwanger wird dann muss ich auf den Balkon. Das hab ich akzeptiert. Wir wollen Kinder aber noch nicht gleich, vielleicht übers Jahr. Ich hatte also noch eine Galgenfrist, mir graute noch vor dem Gedanken dass der Tag kommen würde, irgendwie hab ichs verdrängt aber zumindest wäre ein Kind ein echter Grund nicht mehr in der Wohnung zu rauchen. Dann der Arbeitskollege in der Rauchgruppe mit dem Verdampfer. Hat mich probieren lassen: Oh, ja. Das ist was anderes als das was ich kannte. Viel Dampf, guter Hit, Nikotin in ausreichender Menge. Dann die Lungenentzündung meiner Frau. Die Krankheit war schwer, meine Frau im Krankenhaus, ich sehr in Sorge und immer noch daheim am rauchen. Ich wusste: Wenn sie entlassen wird ists erstmal aus mit dem Zuhause rauchen. Panik.

Also los in den Dampferstore und einen Verdampfer gekauft. Der Plan war: Tagsüber auf der Arbeit und abends beim Weggehen normal rauchen, zu Hause versuchen mit Dampf zu substituieren. Im Shop hat man mir ein 6er Fluid aufgeschwatzt. Das war ein Fehler den ich schnell erkannte. 18er vom Kollegen geschnort und direkt welches im Netz bestellt.

Neuer Verdampfer, temperaturgeregelt, sehr leistungsstark, 18er Fluid. Jaaa. Jeder Zug so dass man ihn spürt. Der Nikotinhaushalt wie vorher, das Gefühl beim inhalieren so wie ichs brauche und – auch ganz wichtig: Schöne weiße Schwaden. Das hatte ich nicht erwartet: Mir fehlt nichts. Ich bin umgestiegen. Einfach so. Ohne es zu wollen und ohne dass mir irgendwas fehlt. Es ist alles so wie immer aber ich rauche nicht mehr mit Verbrennung.

Zigaretten? Ja, habe ich wieder probiert – ich hatte ja nicht vor aufzuhören. Der erste Zug schmeckt so wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Nach Aschenbecher. Der zweite auch, der dritte noch ein bisschen, der vierte wieder ’normal‘. Seit ich Dampfe habe ich eine Kippe komplett geraucht und dann zwei je zur Hälfte. Ich mag es nicht mehr, Dampfen ist besser. Nicht wegen der Gesundheit oder dem Mief, sondern wegen des Geschmacks und des Gefühls.

Nach zwei Wochen habe ich mir einen zweiten Verdampfer gekauft, wie der erste tempraturgeregelt diesmal Selbstwickler, oberste Preisklasse. Ich bin vom Dampfen genauso abhängig wie ich es vom Rauchen war. Würde der Dampfer kaputt gehen würde ich sofort wieder Zigaretten besorgen, wenns sein muss mitten in der Nacht. Also habe ich nun zwei hochwertige Geräte, eine JoyTec VTC-Mini Box und einen Dicodes Dani Pro 2 Plus. Fluid ist auch für die nächsten drei Jahre eingelagert (48er in Glasflaschen unter Stickstoff), dass ich nach Bedarf runter mische (tagsüber auf 18, abends weil ich da mehr dampfe auf 9). Bevor die Selbstmischbasen verboten werden werde ich sicher noch einen zehnjährigen Vorrat einlagern.

Ich dampfe jetzt seit knapp 3 Monaten und bin mir sicher, dass ich dabei bleibe. Mit dem Nikotin bin ich bislang konstant, kann mir aber vorstellen, dass ich es stuckchenweise reduzieren werde in den kommenden Jahren. Ausgefallene Aromen mag ich nicht, teilweise dampfe ich Base pur, meist mit starken Tabakaromen in geringer Konzentration. Manchmal mit Menthol. Ich hätte nie gedacht, dass ich umsteige und vor allem nicht, dass ich mit dem Tag des Umstieges, bis auf die drei sehr bewussten Nochmalprobieren-Zigaretten komplett rauchfrei werde. Nein, ich konnte und wollte nicht aufhören und das habe ich letztlich auch nicht getan. Ich bin umgestiegen und mit geht es besser. Viel besser. Körperlich, sozial und vom Genussfaktor her. Und ich verzichte auf nichts, gerade auf meine geliebten Wölkchen nicht.

Dampfen ist schädlich? Vielleicht. Gesund ists sicher nicht. Wenns auch nur ein bisschen weniger schaden würde als das Rauchen wäre für mich schon was gewonnen. Ich bin der Typ Mensch, der sich sicher zu Tode geraucht hätte, sehenden Auges und bis zum Schluss mit Kippe. Stattdessen dampfe ich jetzt. Es schmeckt besser, mein nichtrauchendes soziales Umfeld ist mir gewogener und ich kann meine Nikotinzufur viel besser dosieren. Wenn ich mehr dampfe nehme ich weniger nikotinhaltiges Liquid, wenn ich nur schnell Raucherpausen mache dann das Starke.

Ich kann nicht für andere sprechen, nichts dazu sagen ob Jugendliche vor der Gefahr des Dampfens geschützt werden sollen, ob man in Gaststätten dampfen dürfen sollte oder ob fruchtige Aromen verboten gehören. Mir wird man es nicht mehr verbieten, die Technologie ist bekannt und nicht mehr auszurotten, zur Not bau ich mir meine Akkuträger und Tanks selber. Grundkenntnisse in Metallbau + E-Technik + Bastellaune sollten für einen Do-It-Yourself TC-Dampfer reichen. Liquids in 10ml Behältnissen kaufen und in max. 2ml Tanks füllen? Sicher nicht. Meine Lösung: a) Bunkern b) PG / VG aus der Pharmaindustrie und mit Industrienikotin mischen. Kann man als Privatmann nicht kaufen? Doch, sicher, Wege gibt es immer. Ich mache mir keine Sorgen um Verbote, das ist alles lösbar. Aber: Wenn es so bliebe wie es jetzt ist: Liquids günstig und der Markt voller hochwertiger toller Verdampfer – das wäre doch der Traum. Da es nicht so bleiben wid, beginnt halt von neuem das Sich-in-der-Pause-vor-dem-Lehrer-verstecken-Spiel. Böse Jungs wissen sich immer zu helfen, schlaue Jungs kennen böse Jungs und lassen sich helfen und der Rest kauft halt dann die 10ml-Fläschen, die mir gerade so anderdhalb Tage reichen würden pro Stück. Wichtig ist mir meine Gesundheit paradoxerweise doch: DAB-Qualität bei PG/VG, hochwertiger Draht an der Spule, saubere unbehandelte Watte und ein gut eingestellter Verdampfer sind für mich unentbehrlich geworden. Wenn die neue Regelung durch qualitative Verschlechterung der Geräte (Leistungsbegrenzung?) zu unsicheren Bastelläsungen bei nicht-so-versierten Mitmenschen führen würde oder teure 10ml-Flaschen zu einem blühenden Schwarzmarkt mit Liquids unbekannter Qualität: Wäre das denn nicht genau das Gegenteil der eigentlichen Absicht des Gesetzgebers? Haben wir aus der Prohibition nichts gelernt? So long, mich wirds nicht wirklich treffen. täte mir aber um andere Leid, die sich vergiften weil sie sich die Apothekenpreis nicht leisten können und dann alternativ Mist im Darknet bestellen… Niemand kann durch Verbote vor sich selbst geschützt werden, nur weils teurer wird werden nicht weniger anfangen,viele Dampfer sind froh nicht mehr zu rauchen, das letzte was Vater Staat tun sollte ist, diese Gruppe zu gängeln.