Julia

Ich habe mit 11 Jahren angefangen zu rauchen. Jetzt bin ich 33, Mutter einer Tochter und habe bis zum 13. Juni 2018 40-50 Zigaretten pro Tag geraucht. Sicherlich habe ich mehrfach versucht, Aufzuhören, aber das ist mir nie gelungen. Nicht einmal in der Schwangerschaft. Nach den beiden Versuchen in der Schwangerschaft habe ich jeweils mehr als davor geraucht, weshalb ich es nicht zu einem 3. Versuch habe kommen lassen. Meine Tochter ist gesund, glücklich und zeigt bislang keine gesundheitlichen Probleme, die von meinem Rauchen hätten kommen können. Dennoch, ich hätte gerne für sie das Rauchen beendet.

Aber gerade dieser Umstand, dass ich noch nicht mal für mein eigenes Kind aufhören kann zu rauchen, hat in mir die Überzeugung geschaffen, dass ich es einfach nicht kann, dass ich nunmal so süchtig bin, dass ich bis zum Ende meines Lebens rauchen werde. Wie lange dieses wohl dauern würde? Ob ich mit einer schlimmen Krankheit am Ende vor mich hinvegetieren müsste?

Vor Jahren schon habe ich mit Geräten von eGo oder Vype versucht, die Zigaretten wenigstens zu reduzieren, aber das ging nicht gut. Ich war Dualuser, bis mir die Aufladerei und das Siffen der Tanks schließlich zu nervig wurde – Zigaretten sind da um einiges „zuverlässiger“.

Und dann macht da ein e Zigaretten Shop in meiner Stadt auf – und noch einer. Und für das, was als nächstes kam, muss ich ein bisschen mehr ausholen.

*Zum Glück geschubst*

Ich glaube nicht an Gott, auch nicht an die Kirche. Wenn überhaupt kann ich mich mit der Vorstellung, dass etwas „göttliches“ in allem und jedem ist, anfreunden. Und ich glaube ein bisschen an Schicksal. Einige der maßgeblichsten Veränderungen in meinem Leben kamen durch eine Art „Schubs“ zustande. Das waren keine klaren und rationalen Entscheidungen, die ich getroffen habe, das waren zufällige, fixe Ideen, die mein Leben dann in eine völlig neue Richtung gelenkt haben.

Dazu gehören Entscheidungen wie, dass ich mit American Football angefangen habe, dass ich an bestimmte Orte gegangen bin und zufällig für mich heute wichtige Menschen getroffen habe. Das sind Spontankäufe, die sich als sehr glücklich erwiesen haben oder das Beenden von Beziehungen verschiedener Art, was zu einer Befreiung geführt hat.

Manchmal hat sich das angefühlt, als würde eine große Hand mich in eine bestimmte Richtung schubsen. Und genau diese Hand habe ich vor gut einer Woche gespürt, als ich dann in den E Zigaretten-Shop gegangen bin. Ich habe mich für eine Vaporesso Target Mini entschieden, mit einem Beeri Liquid in Stärke 9mg Nikotin.

Die ersten Züge waren, gelinde gesagt, fürchterlich. Im Grunde waren die ersten 3 Tage nicht besonders toll. Was ich aber gemerkt habe, dass die Vaporesso mit variabler Wattzahl und verstellbarer Airflow wesentlich besser dazu beigetragen haben, dass ich weniger Sehnsucht nach Zigaretten verspürt habe. Das war bei den vorherigen All-in-One-Geräten nicht der Fall. Diese waren einfach kein Ersatz fûrs Rauchen und nach kurzer Zeit nur noch unangenehm.

Und entgegen meines Wissens, meiner Erfahrungen, habe ich den Schubs zugelassen, mir wieder ein Gerät zu kaufen. 58 Euro leichter, aber absolut zuversichtlich ging ich heim und dampfte. Schon am zweiten Tag habe ich nur noch 10 Zigaretten geraucht, in den Tagen darauf wurden es immer weniger. Gestern waren es 5 Zigaretten, heute sieht es danach aus, dass es 3 werden. Für mich UNDENKBAR. Nicht mal mit schwerer Grippe, wenn ich gefühlt mit einem Fuß im Sarg stehe, habe ich einen Tag meine Zigaretten weggelassen. Sicher, dann waren es nur 3 oder so, aber die Kippen haben mir gezeigt, ob ich noch krank bin (schmeckt beschissen) oder wieder gesund (rauchen möglich). Ich bin absolute Suchtraucherin, ich rauche bei jeder Gelegenheit. Und ich weiß nicht, was meine Raucherei mit meinem Körper angestellt hat, ob ich schon meine Lunge zerstört habe. Das wird sich bald zeigen, wenn ich zum Lungenfacharzt gehe. Bis dahin bin ich zuversichtlich.

Es gibt Zigaretten, die will ich rauchen. Die am Morgen, nach dem Essen, am Abend, vielleicht auch eine in Gesellschaft. Und ich will diese Zigaretten auch nicht weglassen, schließlich hat das Ganze auch was mit Lifestyle zu tun. Aber die anderen Zigaretten, die man halt raucht, weil man im Auto im Stau wartet, weil man auf den Bus wartet, weil man eine Raucherpause bei der Arbeit macht, weil Besuch da ist, weil das Essen gleich fertig, weil weil weil… all diese Zigaretten kann ich durchs Dampfen ersetzen.

*Youtube als Inspiration*

Ich habe schon erwähnt, dass die ersten Tage ziemlich schlecht liefen. Schlimmer Husten, Kratzen im Hals, Kopfweh und Liquid, das eigentlich nicht wirklich schmeckte… Das waren meine Nebenwirkungen. Wichtig war für mich, dass mir aber schon am ersten Tag die Tabakzigaretten nicht mehr geschmeckt haben – das erleichtert das Weglassen erheblich! Also habe ich auf Youtube nach Hilfe gesucht. Es gibt ja inzwischen einige Channels, die sich mit E Zigaretten beschäftligen und längst nicht jeder Channel gefällt mir. Durch Zufall bin ich dann auf Phil gestoßen (Liquidhimmel) sowie auf Yasmin (Dampfeuphorie) und diese haben mir in einigen Videos gezeigt, was ich falsch mache und vor allem – Danke an Yasmin – dass ich mir selbst keinen Druck machen soll. Wenn ich eine Kippe rauche, dann rauche ich sie eben. Die wichtigsten Aussagen für mich waren:
* Die Lunge reinigt sich, wenn man weniger oder nicht mehr raucht. Dadurch kommt es zu stärkerem Husten.
* In Tabak sind Betäubungsmittel, damit man beim Rauchen nicht husten muss. Im Dampf sind diese nicht enthalten, weshalb die Lunge am Anfang stärker reagiert.
* Die Lunge ist zwar Rauch gewöhnt, aber nicht, dass Dampf reinkommt. Und Dampf ist zunächst ein unwillkommener Stoff für die Lunge.
* Es gibt viele Erklärungen, warum der Hals kratzt. Dazu gehören zu viel Nikotin im Liquid, zu heiße oder kaputte Coil, falsches Liquid oder einfach zu viele Züge auf einmal. An eine PG-Unverträglichkeit glaube ich in meinem Fall nicht, aber ich werde mal andere Basenmischungen ausprobieren.
* E Zigarette dampfen ist technisch zum Rauchen absolut unterschiedlich: Eine Kippe raucht man komplett auf, innerhalb weniger Minuten. Also eine hohe Zug-Frequenz.
* Dampfen braucht mehr Zeit – vielleicht sogar mehrere Minuten zwischen den Zügen.
* Die Nikotinsucht ist beim Rauchen bereits nach ca. 3 Zügen befriedigt, den Rest der Zigarette braucht man eigentlich nicht. Das lässt sich aufs Dampfen übertragen, sodass nur wenige Züge das Verlangen stillen.
* Alle E Zigaretten sind unterschiedlich und man braucht eine Weile, um das individuelle Setup zu finden sowie sich seine Favoriten-Liquide zusammenzusuchen. Dabei hat mir Yasmins Tipp geholfen, dass sie sich bei allen Gelegenheiten, wenn es zum Dampfen kommt, überlegt, was einem jetzt schmecken würde. Zum Kaffee z. B. möchte ich keinen Menthol-Geschmack.
* Man sollte sich mehr als 1 Gerät anschaffen, da man unweigerlich zur Zigarette greift, wenn das eine Gerät ausfällt (Akku leer, kaputt).

Für mich selbst habe ich noch gemerkt, dass je entspannter ich bin, desto leichter geht auch das Dampfen. Die Lunge gewöhnt sich langsam an das andere Zeug, das ich in sie inhaliere. Und ich merke, wie wenig Sehnsucht ich nach Zigaretten habe.

*Woche 2 beginnt*

Nun bin ich in Woche 2. Vor 3 Tagen habe ich mir noch eine Schachtel Kippen gekauft. Ich bin eine der Menschen, die sich normalerweise Kippenschachteln in Backsteingröße (29 Stück) kaufen. Zwei Schachteln bitte. Macht 19 Euro. Täglich. Und falls das nicht reicht, habe ich noch einen Drehtabak-Vorrat. Die Schachtel, die ich vor 3 Tagen gekauft habe, war die kleinste, mit 5,90 Euro und 20 Stück. Da sind immer noch 4 Stück drin. Das habe ich eventuell ganz zu Anfange meiner Raucherkarriere erlebt.

Natürlich frage ich mich, wie es weiter geht. Ich habe ehrlich gesagt Angst, dass ich rückfällig werde. Ich kenne mich – ich belüge mich schnell, wenn es hart auf hart kommt. Aber irgendwie bin ich so zuversichtlich. Ich habe z. B. meiner Tochter, die jetzt 4 Jahr alt ist, erklärt, dass ich gerade aufhöre zu rauchen. Ich habe meinen Eltern dasselbe eröffnet und mehreren Menschen schon gesagt, dass ich Nichtraucherin bin. Ich bin… zuversichtlich.

Was hat sich geändert? Ich weiß nicht, ob ich besser riechen und schmecken kann, das ist mir nicht aufgefallen. Aber ich bin nicht mehr so leicht außer Atem, ich fühle mich besser gelaunt. Der Gedanke, viel Geld zu sparen, kommt gerade erst. Aber der Gedanke, dass ich es vielleicht wirklich schaffe, endlich von der Zigarette loszukommen und gesünder zu leben – endlich gestehe ich mir ein, dass das für mich ein wichtiges Thema ist – wird immer stärker. Meine schlimmen Hustenanfälle, die ich während des Rauchens bekommen hatte, sind noch da, aber sie werden weniger in der Zahl und sie werden leichter.

Inzwischen habe ich 2 weitere Geräte gekauft, eine Lynden VOX und eine SC Aster mit MELO 2 Verdampfer. Die VOX habe ich meiner Mitbewohnerin verkauft, die Aster ist im Moment mein Schatz. Ich dampfe fruchtige Liquids, teils mit mehr oder weniger Menthol. Die Target Mini ist die Ersatzdämpfe geworden, die ich morgens gern zum Kaffee dampfe – mit Karamell-Vanille Liquid.

*Fazit*

Nachdem ich sowohl Nikotinkaugummis als auch Spray und sogar einmal Champix verwendet habe, um das Rauchen zu beenden, habe ich hier das erste Mal das Gefühl, endlich den richtigen Ersatz gefunden zu haben. Champix ist ein sehr teures psychoaktives Medikament, das die Sucht nach Nikotin beschränkt. Man braucht dazu aber viel Disziplin – die hatte ich einfach nicht.

Mit der Dampfe habe ich ein sehr ähnliches Gefühl wie beim Rauchen, aber es ist so viel gesünder. Ich freue mich, dass ich weniger stinke, dass meine Tochter diesen Gestank nicht mehr ertragen muss (jedenfalls weniger) und dass ich bares Geld spare. Ich freue mich, dass es so eine große Community gibt, über die vielen Youtube Videos und die netten, informierten Verkäufer in den E Zig Shops. Und ich freue mich darauf, wenn ich die nächsten Schritte gehe und anfange, selber Liquid zu mischen, vielleicht sogar selbst zu wickeln. Das wird sich alles zeigen.