Gregor

Ich heiße Gregor und bin 1966 geboren. Mit 16 Jahren habe ich zu Rauchen begonnen und war bereits mit 20 Jahren auf dem gleichen Verbrauch wie zum Schluss mit 48 Jahren, nämlich bei täglichen 60 Stück selbstgedrehten Zigaretten aus Halfzware-Tabak.

Rauchstopp-Versuche hatte ich lediglich einen, einer Bitte meiner damaligen Ex-Frau zufolge. Da dieser Wunsch „aufzuhören“ nicht durch meinen eigenen Willen getragen war, war er ohnehin zum Scheitern verurteilt. Da halfen weder Nikotinpflaster oder -Kaugummis. Nach 2 Wochen rauchte ich wieder, …wie gehabt.

Das Dampfen lernte ich über die Weiten des internet 2011 in einem themenfremden Forum kennen. Umsteigen wollte ich nicht, es reizten zunächst, der Umstand, einen Kollegen zu schonen, der gerade das Rauchen aufgegeben hatte und eine recht große Neugier. Aber es war unkomfortabel, die Geräte funktionierten nicht so gut, dass sie wirklich überzeugen konnten. So fristeten sie ein kurzes, vorübergehendes Leben im Arbeitsalltag und verstaubten dann auf dem Regal.

Dann wurde es Februar 2015. Immer noch hatte ich keinerlei Bestreben, wirklich aufzuhören, aber mir ging schon einige Zeit der Geruch, der Schmodder, die gelben Zähne, die gelben Finger, die Asche und die Tabakkrümmel verstärkt auf die Nerven. Auch die Kurzatmigkeit war im Alltag deutlich zu fühlen und ich konnte die negativen gesundheitlichen Auswirkungen trotz eines sehr geringen Krankenstandes (in ~23 Jahren gesamt < 1,0 Tag per anno), nicht mehr verleugnen.

(Exkurs: Sich als starker Raucher um einen Arbeitsplatz zu bewerben, ist übrigens durch die „ausgezeichnete“ Arbeit der WHO nahezu unmöglich geworden. Aber: „Aufhören?“ Nein, das wollte ich immer noch nicht und die üblichen Gedanken wie „Es schmeckt mir aber!“, „Das Einzige, was ich mir gönne!“, funktionierten wie immer.)

Technikaffin wie ich nun mal bin, verfolgte ich die E-Zigarette aber immer mal wieder weiter, ich las, sah mir Videos an und kam schnell zu dem Schluss, dass die Technik seit 2011 geradezu riesige Evolutionssprünge gemacht hatte, sie erschien nun ausgereift, zuverlässig und tatsächlich geeignet, das Rauchen richtig substituieren zu können. Ich informierte mich intensiver, meldete mich in fachbezogenen Foren an und las Erstaunliches und Erschreckendes. Der tatsächliche wissenschaftliche Konsens stand in einem absolut diametralen Verhältnis zum Umgang der Verantwortlichen mit dieser einmaligen Chance, nämlich, den Tabak sozialverträglich zu eliminieren.

Die Neugier siegte also erneut und so bestellte ich zwei geeignete Exemplare der unteren Mittelkasse, die als recht einfache, aber zuverlässige Begleiter beschrieben wurden. (Der Anschaffungspreis hochwertiger Geräte ist wirklich nicht ganz ohne und ich wollte es ja nur mal „probieren“, es sollte ja auch angeblich besser schmecken…)

Dann kamen die Geräte morgens am 12.02.2015 an, ich nahm sie so in Betrieb, wie ich es im internet gesehen hatte und fing an zu probieren… Ich testete mit Haselnuss, … hätte mir jemand vorgeschlagen mal Haselnuss zu rauchen, hätte ich ihn für diesen therapiefähigen Vorschlag wahrscheinlich einfach ausgelacht. Aber es schmeckte, die Geräte funktionierten und abends fiel mir auf, dass ich gar keine Zigarette mehr geraucht hatte. Natürlich musste ich dies in diesem Augenblick umgehend ändern, kaum war der Gedanke im Kopf, „fehlte“ mir die Zigarette, und so drehte ich mir eine. Das folgende Erlebnis war für mich als alten Raucher, eher unangenehm: Sie schmeckte überhaupt nicht! Es war ein ekliger Geschmack im Mund! Anschließend dampfte ich wieder und genoss diesen neuen Geschmack.

Am ersten Morgen nach der Dampfe, erwachte ich und der natürliche Ablauf nahm seinen Gang. Binnen der ersten 5 Minuten hatte ich wieder eine Zigarette im Mund und die morgendliche Nikotinflut war wirklich schön, aber schmeckte wieder schrecklich. Dies war meine letzte Zigarette, die ich aus der Sucht heraus qualmte.

Der Verzicht auf die morgendliche Zigarette und der Zigaretten nach dem Essen war an den ersten Tagen das Schwierigste, aber durchaus zu beherrschen, ich wurde nicht mehr schwach. Meine Wohnung, mein Auto…, alles wurde rauchfrei. Gut, ich gab in den folgenden Monaten eine Menge Geld, für wirklich teure Geräte und Zubehör aus. Aber ich tat es gerne, das waren wirklich Ausgaben für mich und Investitionen in meine Gesundheit. Investitionen auch dahingehend, dass dieses Anschaffungen letztlich dauerhafterer Natur als Tabak sind und nicht einfach nach Gebrauch zu Asche werden. Zudem machten mir das Erwachsenenlego und die technische Schnurrpfeifereien richtig Spaß. Die Ausgaben übersteigen zwar die Kosten, die ich binnen einen Jahres für das Rauchen ausgegeben hätte, werden mir aber schon jetzt von den Geräten her, ein Dampfen bis zur Rente ermöglichen.

Die folgenden Wochen waren wie ein Start in eine neue Welt. Nach rund einer Woche begrüßte ich den Tag mit einem Blick aus dem Fenster, statt mit einem bellenden Husten beim Aufrichten des Oberkörpers. Ich fing an zu schmecken und musste mich bzgl. meiner Gewürzverwendung beim Essen umgewöhnen, ich roch wieder viele Sachen, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Gerade im Frühling ist das ein tolles Erlebnis. Aber ich konnte jetzt auch vor mir her gehende Raucher erkennen, denen ich immer noch mit Respekt und Toleranz, aber auch mit Verständnis und Ermutigung zum Dampfen begegne. Besuch darf bei mir nach wie vor Rauchen, ich werbe aber, (bei Rauchern!), auch für das Dampfen.

Meine Kurzatmigkeit verschwand, ich kann Treppen nun sogar im Laufschritt nehmen, ohne auf Fremde einen kollabierenden Eindruck zu hinterlassen. Keine gelben Finger mehr, keine Asche oder Tabakkrümel im Auto, auf der Tischdecke etc. Für mein neues Zahnbilds wurde ich vom Zahnarzt gelobt, er sah wohl erhebliche Verbesserungen schon nach drei Monaten.

Auch der Suchtdruck ist niedriger geworden. Früher musste ich morgens binnen 5 Minuten eine Zigarette haben oder ich wurde „grantig“, heute genieße ich die erste Dampfwolken manchmal erst nach einer halben bis dreiviertel Stunde – freiwillig! Früher war jede Dauer über anderthalb Stunden ohne Zigarette eine echte Strapaze, heute berühren mich auch mehrere Stunden ohne Dampf eher weniger. Bei konzentrierter Arbeit vergesse ich sogar manchmal einfach zu dampfen, selbst wenn ich es dort jederzeit könnte. Meine Nikotindosierung habe ich von 18mg über 9mg auf heute 1,5mg bis 6mg (je nach Gerät) gesenkt.

Mir geht es gut und möchte nie wieder rauchen!