Gloria

Ich rauchte seit meinem 12. Lebensjahr. Allein der Gedanke, ich müsste damit aufhören, löste einen so großen Suchtdruck aus, dass ich mir prompt eine Zigarette anstecken musste. So ging das 25 traurige Jahre lang. Ich bin davon ausgegangen, dass ich an diesem Problem definitiv sterben würde weil keine der versuchten Ausstiegsmethoden funktionierte. Beratung, Nikotinpflaster, Nikotinspray, Akkupunktur, Medikamente usw., ich hatte alles durch. Egal, was ich auch versuchte, nach 4 Stunden ohne Zigarette entwickelte ich mich in eine unberechenbare Psychopathin, deren Alternativen auf rückfällig werden oder einen Amoklauf mit anschließendem Rückfall beschränkt waren. So habe ich 25 Jahre verbracht, es war mir einfach nicht möglich, daran etwas zu verändern. Egal, wie schlecht mein Gesundheitszustand war, ich schleppte mich mit dem Tropf am Arm aus dem Krankenhausbett und rauchte. Hautkrebs, Dauerhusten, Lungenentzündungen, chronische Magenschleimhautentzündungen und regelmäßig wiederkehrende Abszesse unter anderem gehörten zu meinem Leben. Dazu gab es keine Alternative. Wer behauptet, man könne einfach aufhören, gehört entweder zu den 3% die es der Studienlage zur Folge tatsächlich dauerhaft schaffen, oder er gehört zu denjenigen, die trauigerweise keine Ahnung haben, wie stark diese Sucht leider ist. Und die Tabakindustrie hat sich sehr engagiert, das Suchtpotenzial des Tabaks so gut, wie ihnen möglich, auszubauen.
Als ich schon lange nicht mehr glaubte, dass mir irgendwie geholfen werden könnte, traf ich auf die E-Zigarette und hatte diese eigentlich nur gekauft, weil ich Studien über die gegenüber den Tabakprodukten geringeren Emissionswerte gelesen hatte. Ich hatte die Hoffnung, so wenigstens andere Menschen von den Schäden meines gigantischen Problems verschonen zu können. Dass das Ding mein Leben verändern könnte, habe ich nicht einmal gewagt zu hoffen. Nach dem ersten Zug wurde mir klar, dass es ein vollwertiger Ersatz für die Tabakzigaretten ist und ich damit zurechtkommen würde. In den darauffolgenden Tagen hatte ich zwar alle möglichen Entzugssymptome (Kopfschmerzen, Durst, Albträume usw.). Aber – und das war der gewaltige Unterschied – es störte mich nicht. Ich blies fröhlicher Dinge Schokoladenwolken in den Himmel und trauerte meinem Tabak nicht eine Sekunde nach. Mit dem ersten Zug an der E-Zigarette war meine Tabaklaufbahn beendet
So war ich zumindest schon mal von allen anderen Substanzen außer dem Nikotin runter. Ich merkte schnell, dass die E-Zigarette auch meinen Nikotinsuchtdruck komplett veränderte. Ich hielt plötzlich Zeiten ohne Nikotin aus, die mir früher eine Panikattake nach der nächsten eingehandelt hätten. Den ersten Versuch, das Nikotin zu senken, wagte ich erst nach 3 Monaten als ich mich sicher fühlte, von den anderen Substanzen hinreichend entzogen zu haben. So habe ich mich im Quartalstakt von 18er Nikotinliquid auf 2er ohne Erhöhung der Menge runterdosieren können. Ab diesem Punkt reduzierte ich vorsichtiger in 0,2er bis 0,5er Schritten. Ab und zu gab es Rückschritte aber das habe ich locker genommen, alles ist besser als wieder mit dem Rauchen anzufangen. Jetzt bin ich auf 0er Liquid und merke, dass ich die E-Zigarette regelmässig vergesse. Manchmal hängt sie eine Woche in irgendeiner Tasche. Nur bei stressigen Anlässen achte ich darauf, dass ich sie im Notfall parat habe, falls mir meine Psyche Streiche spielen sollte. Meistens brauche ich sie nicht – aber es ist gut zu wissen, dass sie da ist. Das beruhigt mich ungemein.
Wenn ich mir überlege, welche Möglichkeiten mir die E-Zigarette verschafft hat, und dass diese unfassbar hilfreiche und für viele Menschen lebensrettende Erfindung in der EU beinahe verboten worden wäre und nun entgegen des wissenschaftlichen Forschungsstands und potenziell zum Vorteil der Tabaklobby reguliert werden soll, packt mich die blanke Wut, wie selbstgefällige Politiker und die WHO mit der Gesundheit und dem Leben von Menschen spielen. Dagegen muss man sich wehren, wir haben ein Recht auf Selbstbestimmung und sind erwachsen. Dass zugunsten der Bevormundung Erwachsener, die nach einer Lösung für ihr lebensgefährliches Suchtproblem suchen, verfügbare Hilfsmittel vom Markt verschwinden sollen, ist nicht akzeptabel. Auch sollte man mal darüber nachdenken, wie abgrundtief menschenverachtend die aktuelle Suchtpolitik der WHO gegenüber den Betroffenen ausgestaltet ist. Die wiss. Argumentation gegen die E-Zigarette ist so unfassbar dünn, dass ich mich frage, wie sich promovierte Mediziner auf dieses Niveau herablassen können, sich von ethisch fragwürdigen politischen Interessen instrumentalisieren zu lassen. Dass dabei mit massivem Druck auf Wissenschaftler gearbeitet wird, zeigt die aktuelle Korrespondenz zwischen dem Bundesinstitut für Risikobewertung und der Universität Graz. Die politische Situation in Deutschland stimmt mich als Betroffene einfach nur fassungslos.