Felix Lange

im Alter von vierzehn Jahren (2002) habe ich das erste Mal zur Zigarette gegriffen und da meine Mutter geraucht hat, war die Beschaffung für mich ein leichtes. Stark war sie, diese blaue "Gauloises" und mir war schlecht. Es hat gestunken und aus heutiger Sicht hat mein Körper mir versucht zu vermitteln, dass das in keinster Weise vertretbar ist, was ich da gerade gemacht hatte. Aber um "cool" zu sein und "dazuzugehören" hab ich's weiter gemacht. Sehr schnell habe ich alles, was ich an Geld hatte, in Glimmstängel investiert – wenn ich kein Geld hatte, bediente ich mich bei meiner Mutter. Natürlich hat sie es gemerkt, aber auf Grund ihres schlechten Vorbildes konnte sie sehr schlecht etwas dagegen tun. In der Zwischenbilanz habe ich also mein Geld verschwendet, bin zum Dieb geworden und habe meinen Körper vergewaltigt.
Mit Beginn meiner ersten ausbildung, wurde der Konsum höher; als ich anfing, Musik zu machen, stieg es noch weiter und als ich siebzehn war, rauchte ich bereits zwei Schachteln am Tag. Irgendwann konnte ich mir die Fertigpyros nicht mehr leisten und stieg auf Drehtabak um. Meine Wahl fiel auf "Schwarzer Krauser" – ohne Filter. Erst reichte eine Packung (aus der ich in etwa 100 Lunten drehen konnte) knapp eine halbe Woche, doch ab meinem zwanzigsten Lebensjahr bin ich alle zwei Tage auf die Jagd nach Nachschub gegangen. Das wiederum bedeutet rechnerische 50 Fluppen am Tag, was fast drei Schachteln höchster in Deutschland erhältlicher Stärke entspricht und für mich war's das normalste der Welt.
Dann habe ich 2011 meine große Liebe wieder getroffen und ihr war mein gequalme ein großer Dorn im Auge.
Außerdem war sie sich natürlich sehr um meine Gesundheit besorgt, da ich teilweise blutigen Husten hatte und extrem geschnarcht habe; blasse Haut hatte und immer nach kaltem Rauch gestunken habe. Ich konnte meinen Konsum in ihrem Beisein zwar drastisch reduzieren, doch war die gemeinsam verbrachte Zeit eher ein Hangeln von Kippe zu Kippe. Die versuche, aufzuhören scheiterten alle an der "wirklich letzten" und meine Verzweiflung war groß, bis mein bester Freund mit einer einfachen E-Zigarette daherkam und ich darin auch für mich die Chance eines Auswegs sah. Zum Familientreffen im Sommer 2012 fragte ich ihn dann, ob ich mir das Teil mal über's Wochenende borgen könnte.
"Klar, digger, hier haste – viel Spaß damit, aber mach'se ni kaputt!"
Ich hing permanent an dem Ding und irgendwie war's komisch und alle anwesenden haben, wenn ich sie um eine richtige gebeten hatte, abgelehnt. Doch ich blieb dabei. Einen Monat später spürte ich die ersten Veränderungen, wie z.B. weniger Salz im Essen, mehr Geschmacks- und Geruchsinn, sowie steigende Kondition und besorgte mir meine erste eigene "Ego T". Die Qualität war zwar (aus heutiger Sicht) unterirdisch und ich brauchte extrem starkes Liquid (24 – 36 mg/ml), aber das sollte sich Stück für Stück ändern und das dampfen konnte mich anscheinend tatsächlich vom rauchen abbringen. Das hatte aber zur Folge, dass ich alle Dinge in meinem Zimmer übergründlich reinigte. Auch musste ich all meine Kleidung mit geruchsbindendem Weichspüler waschen, um den Gestank raus zu bekommen, denn das war einfach nicht mehr zu ertragen, aber der Umstieg ist mir geglückt!
Heute dampfe ich ein sehr schwaches Liquid (5 mg/ml) in einem qualitativ sehr hochwertigen Gerät (Flash-E-Vapor V2 mit ES-Draht, Wattedepot und ESS-Dochten/ Nemesis mit Konion-Akkus) und habe keinerlei Symptome mehr irgend einer Belastung meines Körpers. Meine Ausdauer ist wieder im athletischen Bereich, was es mir ermöglicht, 240 km am Stück Rad zu fahren und am Schlagzeug mit zwei Bands hintereinander aufzutreten; nichts stinkt mehr und mein Geruch ist sehr fein geworden; mein Schlaf ist kürzer, erholsamer und ruhig geworden; ich habe am Monatsende ca. 100 Euro mehr auf meinem Konto; meine Haut ist mittlerweile die eines 20-jährigen und ich belästige niemanden mehr!
Ich fühle mich großartig und unabhängig. Zwar kann niemand sagen, dass das dampfen "gesund" ist, doch SO schlimm, wie das rauchen ist es nicht mal im Ansatz!
Die Stärke reduziere ich übrigens kontinuierlich um ein halbes Milligramm pro Quartal. Dabei wird es sicherlich eine untere Grenze geben, doch ich sehe im Dampf definitiv die Möglichkeit, mich vollständig von der Nikotinsucht zu befreien und JEDER sollte meiner Meinung nach genau diese wunderbare Möglichkeit bekommen! Von mir aus kann der Gesetzgeber gern Steuern auf die Liquids erheben – es wird dabei jedoch immer noch nur einen Bruchteil kosten, wie richtiger Tabak. Und mal bitte Hand auf's Herz…
Das, was wirklich Menschen tötet, ist der Alkohol! Wobei ich auch hier – dank "Beck's blue", "Störtebecker Freibier" und "Bitburger 0,0" – unter der ärztlich empfohlenen Tagesdosis liege, die ich mit zwanzig teilweise um das 30-fache überschritten habe.
Ein klarer Kopf ist die beste Droge – ein gesundes Maß ist der richtige Weg.