Emanuel Toth

Ich habe mit dem Rauchen im Alter von 13 Jahren angefangen, zu einer Zeit, als es noch keine Warnhinweise auf den Packungen gegeben hat. Als diese in Deutschland eingeführt wurden, habe ich schon etliche Jahre geraucht und konnte mich inzwischen definitiv als Nikotinabhängigen bezeichnen. Ich möchte den Umstand damals fehlender Warnhinweise jedoch nicht als Entschuldigung für meine persönliche Fahrlässigkeit, mir diese Sucht anzueignen, verwenden. Die Folgen für mein zukünftiges Leben waren mir nicht bewusst – ich habe sie zu dieser Zeit nicht so ernst genommen, wie ich es im Verlaufe der kommenden Zeit durchaus getan habe. So versuchte ich im Alter von 18 Jahren zum ersten mal, mit dem Rauchen wieder aufzuhören, was mir nur wenige Wochen gelang. In den nächsten 16 Jahren startete ich unzählige Versuche, diese Sucht zu beenden und probierte im Zuge dessen zahlreiche Nikotinersatzpäparate aus, z.B. Nikotinkaugummis oder Nikotinpflaster. Ich bin jedoch stets zum Rauchen zurückgekehrt, da mir keines dieser Produkte das liefern konnte, wonach meine Sucht verlangte: den „Flash“ im Hals und das Ein – und Ausatmen einer nikotinhaltigen „Wolke“. Dieses Ritual ist es, was mir in Zeiten der Zigaretten-Abstinenz stets so sehr gefehlt hat, dass ich immer wieder zum Rauchen zurückgekehrt bin. Dann hörte ich im Jahre 2011 zum ersten mal von der Möglichkeit, elektronische Zigaretten zu „dampfen“ und war zunächst skeptisch. Ich probierte damals Liquids ohne Nikotin aus und konnte mich daher leider nicht für das Dampfen begeistern, da mir immer noch etwas gefehlt hat, was mir die Tabakzigaretten jedoch geliefert haben – das Nikotin. Nikotinhaltige Liquids waren zu jener Zeit in meinem damaligen Bundesland (Nordrhein Westfalen) jedoch im Zuge einer politisch fragwürdigen Aktion vom Markt genommen worden, weshalb ich die E-Zigarette schnell wieder aus meinem Bewusstsein verdrängte. In den folgenden 4 Jahren schaffte ich es zeitweise, für mehrere Wochen mit dem Rauchen aufzuhören – doch einen kategorischen Schlussstrich konnte ich bis zum Jahre 2015 immer noch nicht ziehen. Da einige Freunde und Bekannte mittlerweile erfolgreich auf das Dampfen umsteigen konnten und mir von deren deutlich verbesserten Lebensqualität berichteten, versuchte ich im Februar 2015 erneut, diese Variante zu wählen – dieses mal mit nikotinhaltigen Liquids, wie es mir angeraten wurde. Innerhalb von nur einer Woche hörte ich mit dem Rauchen ohne Probleme auf und bin seitdem „vollständiger“ Dampfer! An meiner letzten Zigarette zog ich genau zweimal: der erste Zug hat mir bereits ein Gefühl des Ekels beschert und der zweite Zug hat mich vollends davon überzeugt, niemals wieder an einer Zigarette ziehen zu wollen. Seit 8 Monaten habe ich nun keine Zigarette mehr geraucht und die bloße Vorstellung, dies wieder zu tun, löst in mir pure Abscheu aus. Dies Gefühl hatte ich bislang noch nie, und ich habe es der E-Zigarette in all ihrer technischen Vielfalt zu verdanken.
Mein Gesundheitszustand hat sich seitdem um ein vielfaches verbessert: ich habe keinen Raucherhusten mehr, kein morgendliches Kratzen im Hals (inklusive verschleimten Auswurfes), keinen erhöhten Puls oder Blutdruck, mehr Ausdauer, viel seltener Kopfschmerzen und ich rieche und schmecke deutlich besser. Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass die E-Zigarette für mich einer Sensation gleich kommt, da sie das bewerkstelligt hat, was ich 16 Jahre lang vergeblich versucht habe: von der Tabakzigarette loszukommen.
Seit einiger Zeit jedoch bereitet mir die politische Debatte um diese phantastische Erfindung große Sorge. Die TPD2 und deren Artikel 20 sind mittlerweile beschlossene Sache. Was die dort enthaltenen Reglementationen für meine Zukunft als Dampfer bedeuten werden:
– die technische Variation, die mir das Dampfen attraktiv macht, fällt weg
– Liquids werden deutlich teurer, da sie nur noch in Kleinstgefäßen vertrieben werden dürfen
– die nach bundesweiter Umsetzung erhältlichen Geräte werden für mich absolut unbrauchbar sein, da diese Geräte nicht Nutzerfreundlich sind und um längen schlechter als die Geräte, die sich bei Millionen begeisterter Dampfer bewährt haben
Fazit: Alle Punkte, die mir die Abstinenz von Tabakzigaretten ermöglichen, fallen vollständig weg: ich werde gezwungen, wieder mit dem Rauchen anzufangen – da es die Alternative des Dampfens nicht mehr geben wird! Zumindest nicht in der Form, die es einem süchtigen Raucher tatsächlich ermöglicht, das Dampfen dem Rauchen vorzuziehen.
Diese politische Entwicklung hat mich in meinem Glauben an einen freien, demokratischen Staat tief erschüttert. Ich erwarte von der Politik, dass sie mich als mündigen, freien Bürger nach bestem Gewissen vertritt und darüber hinaus dafür Sorge trägt, mir die Möglichkeit meiner Gesunderhaltung zu bieten. Beide Punkte werden durch die Umsetzung der TPD2 in Bundesrecht massiv verletzt! Ich fühle mich absolut nicht adäquat politisch vertreten und meiner Gesundheit, für die ich 15 Jahre lang gekämpft habe und weiterhin kämpfen werde, beraubt! Meiner Ansicht nach stellt dies einen der größten politischen Skandale dar, die jemals stattgefunden haben. Wie soll man einer Regierung vertrauen, die wissentlich gegen die Gesunderhaltung ihrer Bürger agiert?
Das Beispiel Großbritanniens hat gezeigt, dass es auch anders geht: dort hat die Politik den großen gesundheitlichen Vorteil der E-Zigarette erkannt und empfiehlt jedem Raucher ausdrücklich den Umstieg auf diese wesentlich weniger schädliche Alternative. Doch was soll ich als Deutscher Staatsbürger jetzt tun? Nach England auswandern? Auch dort muss die TPD2 spätestens im Mai 2016 umgesetzt werden – egal, wie konträr dies zum aktuellen Stand der Wissenschaft und jedes gesunden Menschenverstandes ist. Davon abgesehen ist Deutschland meine Heimat, die ich trotz des massiven Vertrauensbruches in die hiesige Politik liebe und nicht verlassen möchte.